Lautpoesie / by Philipp Haeberlin

In der S-Bahn sitzend, registriere ich neben quietschenden Rädern und knappen Unterhaltungen plötzlich ein Klackern. Nachdem meine Augen kurz das Abteil nach dem Ursprung dieses Übels absuchen, sehe ich, dass es von der Dame im Vierer neben mir stammt. Sie verfasst gerade eine Nachricht auf ihrem Smartphone. Zumindest versucht sie es, denn bunte Plastikkrallen behindern sie und verursachen dieses irritierende, aber fast schon allgegenwärtige Geräusch in der Berliner S-Bahn. Ein bisschen Haut braucht ihr Smartphone schon, um zu verstehen, was die minütliche Zudringlichkeit dieser türkisen, mit Glitzersteinchen besetzten Kreaturen bedeutet. Es wirkt, als würde sie einen ganzen Roman verfassen. Hochkonzentriert! Doch am Ende ist es vielleicht auch nur ein Satz über ihre weißen Stiefel.

Was schon beim SMS schreiben hinderlich ist, muss im Alltag ein echtes Handicap sein. An der nächsten Station steige ich aus. Vor meinem inneren Auge imaginiere ich folgende Schlagzeile: “Frau von Geschirrstapeln in eigener Küche erschlagen.”

©Merle Collet

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